Barrierefreie Websites einfach erklärt

Wenn ich dir sage, dass du mit deinem Auto auf einem Behindertenparkplatz stehst, und du diesen erst dann verlässt, wenn ich dir drohe, dass das gleich 40€ kostet wenn ich das Ordnungsamt rufe, dann ist das ziemlich traurig.

Illustration SUV parkt quer auf zwei Behindertenparkplätzen

So muss ich aber heutzutage oft argumentieren, wenn ich Kunden zu barrierefreien Websites bewegen möchte. Denn eine barrierefreie Website wird dir mehr einbringen, weil einfach mal 20% deiner UserInnen gerade irgendein Handicap haben, mit dem es schwierig ist deine Website zu benutzen.

Wie ich bei Maja gelernt habe sieht es in Deutschland nämlich so aus:

  • 9,3% der Bevölkerung hat eine Schwerstbehinderung
  • 8% der Männer und 0,4% der Frauen sind farbenblind
  • 4% der Bevölkerung haben Legasthenie oder Diskalkulie

Jeder 5. in Deutschland ist also auf eine barrierefreie Website angewiesen. Bedenkt man dabei, dass nur ca. 5% der Behinderungen angeboren sind, kannst auch du Morgen dazugehören 🙂 Gebrochene Arme/Schultern, Brille vergessen, kannst die Sprache nicht so gut, draußen Arbeiten etc. ist da nicht eingerechnet! So kleine Dinge wie ein niedriger Kontrast können schon dafür sorgen, dass einfach mal keiner bei Sonnenlicht deine Website lesen kann!

Was für Menschen sind das?

Barrierefreiheit wird heutzutage gerne über UserInnen-Personas vermittelt, als empathischer Mensch gefällt mir das. Die englische Regierung ist so fortschrittlich und hat ein paar eigene Personas entwickelt:

Claudia Icon

Claudia ist eine 54-jährige Sozialarbeiterin und ihr Sehvermögen ist eingeschränkt.

Ashleigh Icon

Ashley ist 24 und blind, hat einen Abschluss in Kunst und ist Verwaltungsassistentin.

Ron Icon

Ron ist 82 und Rentner. Er hat Athritis, kann nicht gut hören, hat grauen Star und ne neue Hüfte.

Chris Icon

Chris ist ein 54-jähriger Buchhaltungsmanager und hat rheumatische Athritis.

Pawel Icon

Pawel hat einen Abschluss in Chemie. Er hat Asperger-Syndrom und eine Angststörung.

Simone Icon

Simone ist eine 41-jährige Office-Managerin und hat Dyslexie.

Saleem Icon

Saleem ist 22 und gerade arbeitslos. Er ist taub.

Während es bei Saleem halbwegs klar ist, dass er z.B. Untertitel oder Gebärdensprache bei Videos braucht, ist es bei anderen UserInnen nicht unbedingt direkt ersichtlich, was an einer Website für sie angepasst werden muss.

Wir nehmen mal Ron den Rentner. Er kann wegen seiner Athritis die Maus nicht benutzen und muss deswegen mit dem Keyboard navigieren, was bei jeder Website problemlos möglich sein sollte. Das heißt mit Tab kann man sich durchtabben, und man weiß durch den Fokus immer wo man sich befindet.

Er kann wegen des grauen Stars auch schlecht Sehen, weiß aber leider gar nicht, dass es ihm mit mit Strg+ möglich sein sollte eine Website vergrößern. Für ihn wäre ein Knöpfchen toll, mit dem er das machen kann.

Es ist also eine Kombination aus vielen kleinen Aspekten, die es Menschen möglich macht deine Website zu nutzen. Je mehr dein Webdesigner weiß und anwenden kann, je mehr ist deine Seite für viele Menschen zugänglich und nutzbar. Die meisten dieser Dinge führen aber auch allgemein zu Verbesserungen deiner Website.

Barrierefreiheit hilft allen UserInnen

Eine richtige Struktur und Semantik führt dazu, dass Google deine Seite mag. Darauf zu achten, dass Buttons groß genug sind zum Klicken hilft jeder Userin. Ein ausreichender Kontrast stellt sicher, dass auch bei Sonnenlicht auf dem Handy deine Website gut lesbar ist. Ausreichender Weißraum zum „Atmen“ überfordert die UserInnen nicht kognitiv und macht sowieso ein schönes Layout. Und so weiter und so weiter.

Während Accessibility an sich kein direkter Ranking-Faktor bei Google ist, sind dennoch viele Faktoren, die für die Accessibility wichtig sind, auch für das Ranking bei Google sehr förderlich.

Rechtliches

Rechtlich ist das jetzt schon spannend, denn die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG; englisch für „Richtlinien für barrierefreie Webinhalte“) sind in der Europäischen Union verbindlich für öffentliche Stellen. Seit dem 23. September 2019 für neue und ab 23. September 2020 für bestehende Websites. Und wer weiß, vielleicht wird das bald für Unternehmen auch so sein.

Fazit

Es sind viele Dinge, die einen Unterschied machen. Einen Alternativtext für ein Bild, ein Link der nicht verwirrend in einem neuen Tab aufgeht, eine Navigation die einer Screenreader-Userin sagt, ob der Punkt noch Unterpunkte hat oder nicht. Jede Verbesserung hilft vielen Menschen!

Zur Zeit arbeite ich mit einer Mitarbeiterin des Zentrums für selbstbestimmtes Leben in Köln zusammen an einer Website und ich lerne immer noch kleine Dinge dazu. Barrierefreiheit ist ein ständiger Prozess, den man von Anfang an in jedem Projekt berücksichtigen sollte. Auch meine eigene Website hat durchaus noch einiges an Optimierungspotenzial!

Wer noch mehr lernen und seine Website schonmal grob überprüfen möchte, kann gut bei diesen tollen Postern anfangen. Sie erklären noch einmal, was für die verschieden UserInnen wichtig ist. Und wenn ihr Fragen habt oder eure Website optimieren möchtet, kann ich natürlich jederzeit helfen!

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